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  • Stefanie

Online-Praxis als Heilpraktiker für Psychotherapie - sinnvoll oder obsolet?

Aktualisiert: Aug 9

Die Technologisierung und Digitalisierung unseres Alltags nimmt stetig zu und insbesondere auch durch COVID-19 hat die Tendenz, Dinge des Alltages online zu erledigen, nochmals stark zugenommen. Menschen suchen mittlerweile online nicht nur nach Konsumgegenständen, sondern vermehrt auch nach Dienstleistungen wie Beratung, Coachings und therapeutischen Behandlungen. Höchste Zeit also, sich die eigene Online-Praxis zu überlegen.


Patientinnen & Patienten dort abholen, wo sie sich befinden


Für Patientinnen und Patienten von therapeutischen Behandlungen gilt, was für Menschen ganz allgemein gilt: Sie bewegen sich immer mehr online. Der erste Impuls bei der Suche nach einem Restaurant, einem Fachgeschäft, einer Dienstleistung, ja sogar einem Hausarzt oder einem Psychotherapeuten oder einer Psychotherapeutin ist, online zu gehen und das Internet zu fragen. Wer dementsprechend über keine Online-Präsenz verfügt, wird nicht gefunden und entsprechend auch nicht gebucht. Dies galt schon vor der Corona-Pandemie und wurde durch die auferlegten Ausgangssperren und die Schließung eines Großteils der Geschäfte noch befeuert.


Hinzu kommt, dass aufgrund der Globalisierung und der digitalen Möglichkeiten immer mehr Menschen sehr mobil sind. Es gehört einerseits zur Normalität vieler, dass sie heute in Berlin, morgen in Hamburg und nächste Woche in London sind. Für einige stellt dies sogar ein klar gewähltes Lebensmodell aus, sie leben das sogenannte digitale Nomadentum. Nicht zu vergessen sind dabei, diejenigen Personen, die im Ausland leben und sich eine deutschsprachige Unterstützung wünschen. Vor allem wenn es um die eigene (psychische) Gesundheit geht, bevorzugen viele Patientinnen und Patienten den Austausch in ihrer Muttersprache.


Als Heilpraktiker für Psychotherapie will man für seine Patienten und Patientinnen auffindbar und erreichbar sein. Dies sollte unabhängig davon sein, wo sie sich befinden, insbesondere wenn immer mehr von ihnen ortsunabhängig sind. Mit einem ergänzenden Online-Angebot ist dies möglich. Und zu guter Letzt ermöglicht es uns eine Online-Praxis selbst auch ortsunabhängiger zu sein. So können z.B. Stammkunden oder Patienten und Patientinnen, die in akuter Not sind, auch dann beraten werden, wenn man selbst im Ausland ist.



Wenn sich die Realität in die Online-Welt verschiebt


Bis anhin war man es als Heilpraktiker für Psychotherapie gewohnt, seine Patienten und Patientinnen vor Ort in der Praxis zu begrüßen. Im persönlichen Gespräch und sich real gegenübersitzend, ist es einem möglich, das Gegenüber mit allen Sinnen wahrzunehmen und so die Herausforderungen und Probleme des Gegenübers gesamtheitlich zu verstehen.


Zudem fokussierte unsere gesamte Ausbildung bis anhin darauf, Patientinnen und Patienten “real” zu behandeln. Die angedachte Situation setzte immer voraus, dass wir uns physisch im selben Raum befinden. Doch die Zeiten haben sich geändert und noch viel wichtiger: Die Gewohnheiten unserer Patientinnen und Patienten haben sich geändert.


Die allgemeine Befürchtung, man könne aus der Distanz nicht eine qualitativ gute und berufsethisch vertretbare Behandlung anbieten, ist heutzutage nicht mehr im selben Masse angebracht wie noch vor 10 Jahren. Denn die Menschen haben sich an die “virtuelle” Welt angepasst und gewöhnt. Die Irritation in der Online-Welt hat sich gelegt, man ist es gewohnt, sich auch online auszutauschen und enge Beziehungen sowie tiefe Gespräche trotz der physischen Distanz auch online zu leben. Wo früher eine scharfe Trennung zwischen “realer” und “virtueller” Welt galt, verschwimmt diese Grenze immer mehr und unsere Realität verschiebt sich immer mehr auch in die Online-Welt.


Online-Therapie - so fern & doch so nah


Als Heilpraktiker für Psychotherapie gilt unser Interesse unseren Patienten und Patientinnen. Dies gilt auch, für diejenigen unter ihnen, die uns aus unterschiedlichen Gründen nicht physisch vor Ort aufsuchen können. Sei es aufgrund einer Pandemie wie COVID-19, aufgrund der Arbeitsbedingungen oder weil sie vielleicht in eine andere Stadt oder gar ein anderes Land gezogen sind. Wichtig in der Therapeuten-Patienten-Beziehung ist letztendlich nicht der Ort, sondern vielmehr die Chemie und eben diese kann zumindest heutzutage auch online ent- und bestehen.


Unsere Verfügbarkeit stellt für unsere Patientinnen und Patienten einen großen Vorteil dar und kann ihnen sogar Stress abnehmen. Denn bei bestimmten Voraussetzungen ist der online Zugang leichter und stressfreier für sie und dadurch sogar die bessere Alternative als eine Beratung in der Praxis.


Nicht zu vergessen und insbesondere nicht zu unterschätzen ist zudem eine weitere Möglichkeit, die sich durch eine Online-Beratung erschließt: Der bessere Einblick in das private Leben unserer Patienten und Patientinnen. Denn das Gespräch bei einer Online-Beratung werden diese mit großer Wahrscheinlichkeit zu Hause führen und so erhalten wir einen Einblick, wie sie leben. Vielleicht stellt uns ein Patient stolz seinen Hund vor oder wir erhaschen einen Blick auf das Gartenprojekt einer Patientin. Sogar wenn sie das Gespräch außerhalb ihres Zuhauses führen sollten, sie werden einen für sie angenehmen, positiv konnotierten Ort aussuchen, den wir dank der Online-Sitzung zu sehen bekommen und als Information in unsere Beratung miteinfließen lassen können.


Die Vorteile nutzen & Mehrwert generieren


Im Endeffekt wollen wir einerseits als Therapeuten unseren Patientinnen und Patienten eine Situation bieten, in der sie sich wohl fühlen und sich entspannen können. Kurzum: Wir wollen ihnen etwas Gutes tun. Daher sollten wir selbst genügend Flexibilität aufweisen, um die Rahmenbedingungen unsere Beratung so zu gestalten, wie es ihnen entgegenkommt. Auch wenn dies bedeutet, dass wir sie online treffen. Wir tun daher gut daran, unsere vielleicht vorhandene eigene Skepsis gegenüber der virtuellen, Online-Welt zu überdenken und abzulegen. Die Art des Treffens sollte nicht unser Hauptargument für die Qualität einer Beratung sein. Vielmehr gilt es als Heilpraktikerin oder Therapeut sein Wissen und seine Methoden dahingehend auszuarbeiten und zu erweitern, dass auch wir unsere Dienstleistung am Patienten oder der Patientin “plattform-unabhängig” anbieten können, ohne dabei Qualitätseinbußen hinnehmen zu müssen.


Nicht zu verachten ist dabei auch die schlichte Tatsache, dass wir so auch eine größere Menge an potenziellen Patienten und Patientinnen ansprechen und so auch unser Fortbestehen als Therapeuten oder Heilpraktikerinnen langfristig sichern können.


Was ebenfalls sowohl für uns als Heilpraktiker für Psychotherapie als auch für die Patientinnen und Patienten von Vorteil ist, wenn ein ergänzendes Online-Angebot verfügbar ist: Termine können, wenn von beiden Seiten gewünscht, flexibler vergeben werden. So kann eine Online-Beratung auch mal abends oder am Wochenende stattfinden. Dies kann die Organisation auf beiden Seiten erleichtern und so auch die Vereinbarkeit fördern.


Eine Online-Praxis ist zudem kosteneffizienter. Denn für eine Online-Beratung braucht es keine Praxisräume, in die man sich einmieten muss. Die Kosten oder zumindest ein Teil der Mietkosten entfällt somit, was wiederum einen positiven Effekt auf unser Budget hat.


Kieselsteine auf dem Weg zur Online-Beratung


Natürlich gilt es diesbezüglich unsere Methoden ab- und anzugleichen und auf die Rahmenbedingungen der Online-Welt anzupassen. Ziel sollte es klar sein, auch online eine qualitativ hochstehende, seriöse und für die Patienten und Patientinnen effektive Beratung anzubieten. Dazu gilt es auch bereits im Rahmen unserer Ausbildung die entsprechenden Gefäße zu schaffen.


Ebenfalls zu bedenken gilt es die von außen gegebenen Rahmenbedingungen. Aufgrund des Fernbehandlungsverbot für Psychologische Psychotherapeuten und Heilpraktiker_innen für Psychotherapie dürfen wir nicht fernbehandeln. Dieses wurde jedoch bereits vor COVID-19 etwas gelockert und ermöglicht es bereits jetzt, unter bestimmten Voraussetzungen vereinzelt Videosprechstunden für Psychologische Psychotherapeuten durchzuführen. Hier wird über die Behandlung gesprochen, fokussieren wir uns auf die Beratung, unterliegen wir weniger strengeren Richtlinien.


Man kann jedoch davon ausgehen, dass aufgrund der sich verändernden Lebensumstände und der entsprechenden Nachfrage nach Online-Beratung von Seiten der Patienten und Patientinnen, ebenso wie aufgrund der bereits laufenden Diskussionen auf politischer Ebene künftig die Rahmenbedingungen sich noch weiter verändern werden.


Hast Du schon mit Deiner Online-Praxis gestartet? Erzähle mich hier wie es lief. Ich freue mich auf Deine Nachricht.


#onlinepraxis #onlineberatung

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